Weismies 4023m - Wallis - krystallos

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü

Weismies 4023m - Wallis

Touren > Bergtouren


Weismies-Überschreitung 4023m
(Almageller Hütte)



Eine der genussvollsten 4000er Überschreitungen!

 


Ziemlich fertig, jedoch überglücklich beenden wir unsere heutige Bergtour über den Weismiesgipfel. Aber der Reihe nach...

Eigentlich war das die Tour, die der Anfang vom Ende werden sollte, obwohl wir vieles noch vor hatten. Mein bester Freund Johannes M. und ich hatten in den letzten Jahren viele gemensame Touren gemacht. Das Strahlen in Graubünden und die klassischen Hochtouren im gesamten Alpenraum wechselten sich gut ab und wir konnten die vergangenen Jahre sehr schöne Touren am Ortler, der Königsspitze, in den Ötztaler und Stubaier Alpen unternehmen. Piz Palü, Piz Bernina, der Mont Blanc - das Dach der Alpen - und der Tacül, sie waren ebenso tolle, erlebnisreiche und landschaftlich außerordentlich reizvolle Unternehmungen, die wir gemeinsam erfolgreich begingen.

Und immer wieder stellten wir fest, daß die erlebnisreichsten Situationen am Berg die Geschehnisse auf den Alpenvereinshütten waren. Auf dem Weg zum Mont Blance quetschten wir uns wie wahnsinnige in die Matratzenlager um überhaupt eine Möglichkeit zum Nächtigen zu haben, im Berninagebiet wurde ich wegen meiner kurzen Haare und der Bundeswehrhose, die ich trug als Nazi wüst beschimpft und auf der Martin - Buschhütte im Ötztal wurde Johannes im Lager nachts so sexuell belässtigt, dass wir heute sehr lachen müssen, wenn wir darüber reden.

Diesmal stiegen wir nach langer kompliztierter Parkplatzsuche den schönen Pfad von Almagell hinauf zur Almageller Hütte, die wir als Ausgangspunkt gewält haben zur Süd-Nord Überschreitung der Weismies.
Wolkenverhangen und mit kühlen Temperaturen startete der Tag und wir stiegen beladen mit nicht all zu schweren Rucksäcken bergwärts. Immer wieder begegneten wir Bergsteigern die talwärts unterwegs waren. Nach einiger Zeit bot sich uns ein spektakuläres Schauspiel, als wir beobachteten, wie sich die Wolken weiter auflösten und im Hintergrund das Täschhorn so langsam zum Vorschein kam, dann wieder einghüllt wurde, um abermals wie durch ein Fenster wieder zu sehen war. Total bezuckert von Neuschnee, der die vergangene Nacht in dieser Höhe viel und mit scharf gekennzeichneten Graten präsentierte sich dieser formenschöne Berg wie eine der großen majestätischen Berge des Himalayas. Wir waren beeindruckt von diesem Anblick!

Weiter bergwärts in Kehren nach oben, immer weiter. Die Luft war kühl und klar, so dass Sie in der Nase ihre Kälte zu zeigen vermochte. Überall waren nun Berge von wunderbarer Schönheit zu sehen und so mussten wir immer öfter stehen bleiben, um zu schauen. Es war ein stressfreier Tag, den wir auch dementsprechend geniessen wollten. Als wir die Almageller Hütte erreichten war es verhälnismässig ruhig und wir machten zunächst etwas Brotzeit in der näheren Umgebung um auch etwas zu photografieren.

Als wir zu späterem Zeitpunkt unser Lager im Nebenhaus zugewiesen bekamen, tummelten sich schon recht viele Bergsteiger in der Hütte. Zu unserem Schreck kam auf einmal eine Gruppe Bergsteiger die uns sofort ins Auge fielen. Ausgestattet mit den nobelsten und neusten Klamotten, der pompösesten Ausstattung und, und, und natürlich das alles ohne Gebrauchsspuren. Keinen Kratzer am Eispickel oder an den auf den Rucksäcken hängenden Steigeisen. Die Kleidung wie frisch aus dem Lagerverkauf, nur das Preisschild fehlte noch. Das Auftreten dieser Personen war zudem sehr provokant und unpassend für Menschen die doch eigentlich ein Abenteur am Berg erleben wollen und die Faszination Berg erfahren wollen.

Allso richteten wir unser Nachtlager her und beschäftigten uns kurz mit dem Rucksack für den morgigen Tag ehe wir im Gastraum noch etwas von unserer selbst mitgebrachten Brotzeit einnehmen wollten. Etwas was auf Alpenvereinshütten gesattet ist und früher eh die Regel auf den alpinen Schutzhütten war. "Hier können wir das nicht machen, wir möchten bitte die Gaststube verlassen, so daß die neu angesreiste Gruppe Platz hätte". Wir fragten ob wir in einer stillen Ecke sein können und auch das wurde uns verwehrt. " Drussa isch Blatz"...  entgegnete man uns. Vor der Hütte pfiff mitlerweile eine rechte kalte Brise Wind und im Nebengebäude gingen die ersten schon zu Bett und wollten Ruhe und kein Licht, also maschierten wir wieder ins Hauptgebäude. Im Gastraum war immer noch reges Treiben und kein Platz für uns , also aßen wir im Flur neben Rucksäcken, Hüttenschuhen und miefenden Bergschuhen noch etwas, ehe wir verärgert in unser Lager gingen. Das verstand man also wieder einmal unter Bergkameradschaft, Naturverbundenheit, Schweizer Alpenvereinshütte und Gastfreundschaft.

Am nächsten Morgen kletterten wir aus unseren üblen Nachtlagern, die aus einer Bretterbrische mit einer alter Matratze und einer miefenden Decke bestand und kein Platz zum Aufsetzen blieb, denn ca. 70cm überm Kopf war das nächste Brett mit darüber liegenden Lagern. Alles war im Nacken verspannt und meine Rübe haute ich mir beim Aufstehen auch an, denn am Morgen dachte ich natürlich nicht mehr an diese scheiß Bretter direkt über mir...

Im Gastraum hohlten wir unser lächerliches Frühstück ab, und als wir die hergerichteten Teller vor uns sahen schauten wir uns an und mussten lachen, was jetzt nicht so gut ankam, denn dafür verlangte der Wirt 40,- Sf. (Nacht/Frühstück). Reden hatte der Wirt auch nicht erfunden und so verschwanden wir blitzschnell mit knurrendem Magen von dieser Hütte.

Ab jetzt war wieder Ruhe und Natur angesagt! Im Licht unserer Stirnlampen maschierten wir in kalter Luft hinauf zum Sattel. Wir mussten uns gar nicht so mit dem Suchen des Weges beschäftigen, denn es gingen doch schon einige Bergsteiger vor uns dem Ziel der Begierde entgegen und wir folgten einfach unseren Vorderleuten und reihten uns sozusagen in die lange Lichterkette ein. Der Morgen dämmerte im Osten und verschaffte uns ein wunderbares Naturschauspiel des Sonnenaufganges.

Hier pausierten viele Bergsteiger die ebenso wie wir den Südgrat der Weismies ins Auge gefasst hatten. Es wurde geredet, getrunken, gegessen und angeseilt. Wir blickten uns nur an und wussten beide ganz genau was der Andere dachte und fühlte. "Schnell los, ohne Seil". Wir lachten kurz und dank unserer guten Kondition verschafften wir uns sehr schnell einen emensen Vorsprung gegüber einigen Personen. Von den rausgeputzten Superbergsteigern des leztigen Abends war Gott sei Dank nichts mehr zu sehen. Schnell waren wir zu einer kleinen Personengruppe aufgeschlossen und blieben auch den gesamten weiteren Aufstieg hinter Dieser. Alle hatten einen sehr gleichmässigen Steig und Gehrhythmus, es wurde kaum gesprochen und jeder genoss für sich das Bergerlebnis.

Etwas Klettern im II. Grad, wieder steigen, elanvoll um eine Felsnase herum und wieder zwei, drei Mal mit den Händen entschlossen zupacken. So ging es die vergangene halbe Stunde bergwärts, ehe wir wieder in den Schnee kamen. Von nun an war der Gipfel zum Greifen nahe und ein gewaltiges Bergpanorama tat sich hier heroben auf !!!

Kurze Zeit später grinsten wir uns an und genossen die Rundumsicht zur Monte Rosa, die Domgruppe und nach Mailand in Italien !!!
Nun pausierten wir bei schöner stabiler Wetterlage und kaum Wind. Dann wurde photografiert und wir besprachen den Abstieg. Nochmal trinken bevor es los geht. Dann wo nun die große Schar der Gifelaspiranten eintraff, machten wir uns schon wieder an den Abstieg. Eine klare, einfach zu gehende Spur zog im Gletscher Richtung Westen ehe sie in die Spaltenzone etwas nördlich abbog.

Da wir uns schon am Gipfel für den etaws gefährlicheren Abstieg durch den Gletscher angeseilt hatten, konnten wir umsichtig die Bruchzone angehen und waren erstaunt als plötzlich eine lange Aluminiumleiter vor uns stand welche ca. 10-12 Meter hinab ging, um eine große Gletscherspalte zu überwinden. Mit großer Umsicht und einer kleinen Sicherung begab ich mich zuerst auf die Leiter und stieg abwärts. Als ich schnell und sicher den Boden erreichte sicherte ich Johannes und auch er kam vorsichtig über die schwingende Leiter herab. Nun ging es durch unübersichtliches Eisgelände zwischen Spalten und Wellen hin und her talwärts als wir zum nächsten Übergang kamen. Hier lag nur ein nettes glattes sich leicht durchgebogenes Brett zum überwinden einer ca. 4-5 Meter breiten Spalte. Wir sicherten uns wieder gegenseitig mit einer gedrehten Eisschraube und überwanden auch dieses prickelnde Hindernis mit unseren Steigeisen an den Bergschuhen.

Kurze Zeit später ging es unbeschwerlich und nur mit kleinen schmalen und fast gefahrlosen Spalten hinaus zum felsigen Gelände. Abseilen und den Durst stillen!
Danach folgte eine nette Wanderung zur Weismieshütte und weiter zur Seilbahn um ins Tal zu gelangen wo wir mit etwas sonnenverbranntem Gesicht unseren VW-Bus in Almagell erreichten. Hier ging auch unsere schöne Weismies-Überschreitung zu Ende und wir zogen das Fazit, daß es eine sehr schöne 4000er Tour ist, jedoch wieder mit einem Hüttenerlebnis der besonderen Art.

Jedoch hat es einen faden Nachgeschmack, denn von diesem Erlebnis an unternahmen wir keine Bergunternehmen an den Viertausendern der Alpen mehr, denn die Lust auf diese komerzielle Art des Naturerlebnisses und dem unverschämten Benehmen mancher Hüttenwirte ist uns die Lust daran vergangen. Die Ostalpen bieten dagegen viel schönere Berghütten und tolle Hüttenwirte, so das wir lieber hier in niedrigeren Gefielden unterwegs sind. Zudem macht es auch die zunehmende Anzahl der Familienmitglieder nicht einfacher eine gewisse Zeit  für Training- und Bergtour aufzubringen.

 

Videoclip zur Überschreitung

- hier anklicken -

Da unsere Bilder alle als Dias im Dachboden gelagert sind, gibt es für diese Tour kaum Photos die ich hier einstellen könnte, jedoch habe ich hier einen sehr schöne Kurzdokumentation über genau jene Bergtour an der Weismies gefunden, die eindrücklich zeigt, wie genussvoll diese Tour sein kann !



 

Verfasst: Robert Linhart - Juli 2014

 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü