Frunthorn [2009] - krystallos

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Frunthorn [2009]

Touren > Strahlertouren
 

Kristallsuche am Frunthorn 3030m

Tour: August 2009

Rauchquarz !
Dieses Wort findet in vielen Ohren Wohlklang und Fantasie. Genauso ergeht es mir jedes Jahr aufs Neue. Diese dunkle Varietät des Quarzes hat es in sich und verzückt eine Unzahl von Naturliebhabern. Meine beiden Freunde und Strahlerkollegen Johannes M. und Andi L. sind von der Idee begeistert einige Tage am Frunthorn zu bleiben um nach den dunklen Quarzen zu suchen. Seit dem Sommer 2006 waren Johannes und ich nicht mehr in diese wunderbare Gegend gekommen, und so planten wir 3 Tage mit Zelt und sonstigem Gerödel dort oben zu Nächtigen. Einige Tage später, als der Wetterdienst ein Schönwetterabschnitt meldete, packten wir unsere Rucksäcke und beluden unser Auto. Andi war gespannt wohin die Reise ging und machte sich auf alles gefasst. Für Ihn ist es seine erste Saison als Kristallsucher und somit sind meist alle Ziele neu und aufregend. Als wir in Vals ankamen steuerten wir erst mal das Gemeindeamt an, um uns eine Strahlerbewilligung zu holen und zusätzlich im Dorf noch etwas mit Proviant zu versorgen. Freundlich erhielten wir das Patent und fuhren hinauf zum Zervreila - Stausee wo die Endstation war. Von hier aus mussten wir nun alles aus eigener Muskelkraft bewältigen, egal wie schwer die Rucksäcke auch waren. Anfänglich gingen wir langsamen Schrittes zur Staumauer,


überquerten diese und stapften lustigen Mutes bergan. Die Sonne stand zu dieser späten Vormittagszeit hoch und heizte uns mächtig ein. Die Flora hier oben war in den buntesten Farben anzutreffen und veränderte je nach Höhenlage sein buntes Kleid. Die Heidelbeersträucher wichen zurück, das Arnika verschwand und immer mehr kleinere Pflanzen übernahmen die Vorherrschaft - Bergmannschild, blauer Enzian und das prächtige Sempervivum. Johannes und mich packte nun das "Fotofieber", weshalb wir immer wieder kleine Pausen einlegten, welche unser Andi stets nutzte um seine schwere Last hörbar abzulegen.


Unsere Rucksäcke
wurden nach einer dieser Pausen nun nochmals sichtlich und spürbar Überladen, denn wir mussten ja noch etwas Wasser tanken um die folgenden Tage genügend Flüssigkeit dabei zu haben. Unser Gelächter war groß als wir Andi dabei zusahen wie er seinen Buckelsack kaum noch schulterte. Seine Komentare und dieser leidende Gesichtsausdruck wird uns immer in Erinnerung bleiben. Unsere Gespräche wurden nun eingeschränkt, man konzentrierte sich ausschließlich auf die präzise gesetzten Schritte und den Rhythmus unseres Atmens. Meine Achillessehne zog unangenehm. Die Oberschenkel wurden zu Ballons und die Lunge schnappt nach ausreichend Sauerstoff. Nach zwei Steilstufen haben wir das Schlimmste geschafft. Andi kollabierte uns fast und wir planten etwas zu essen um neue Kraft zu sammeln. Und immer wieder fällt uns die Ruhe auf, die wir hier oben genießen, ja die wir in uns aufsaugen. Ich frage mich wie viele Strahler wohl schon hier herauf marschiert sind, in der Hoffnung auf den ganz großen Fund. Wie viele sind ebenso voll beladen heraufgekommen um auch ein kleines Abenteuer zu erleben? Und wie viele schöne Kristalle stehen wohl schon in den verschiedensten Sammlungen und erinnern Ihren

Entdecker an einen wunderbaren Tag hier am Frunthorn? Mein Gedanke geht an Alex D. , ein Profistrahler der jenes Gebiet kennt wie kein anderer. Ist er momentan auch hier oben? Werden wir Ihn morgen treffen? Natürlich würde ich mich freuen wenn er da wäre. Wir könnten einige Gedanken austauschen und uns über die Schönheit der Mineralien unterhalten.

Mein T-shirt
klebt schweiß durchtränkt am Rücken, als mich Johannes aus meinen Träumen reißt. Pause! Ja Pause, daß wollten wir doch machen. Wir suchten nach einem geeigneten Felsen, auf dem wir unsere Elefantenrucksäcke abstellen konnten um sie schließlich später wieder leichter aufzunehmen. Nun schmeckte ein Schluck klaren Wassers so, wie wenn man den besten Tropfen Rotwein auf der Zunge zergehen lässt. Dann atmeten wir erst einige Minuten durch um uns anschließend an einer guten Brotzeit zu stärken. Andi brachte nichts Eßbares runter, er ist sichtlich an sein Limit gegangen und nun total erschöpft. Wir machten ihm Mut und konnten ihn leicht motivieren noch einige Höhenmeter durchzuhalten um leztlich unsere zwei Zelte an einem geeigneten Platz aufzustellen. Minuten später kämpften wir mit Alustangen, Schnüren, Zeltplanen und sonstigem Material um unser heutiges Zuhause so bequem wie möglich einzurichten. Alles wurde gut fixiert um vor unliebsamen Überraschungen einigermaßen geschützt zu sein. Wir verstauten das Mitgebrachte im Zelt und setzten uns als Nachmittagsziel, den Gipfel des Frunthorns zu besteigen. Andi´s Magen beschwerte sich nun aufs Übelste, so daß auch er jetzt bereit war etwas Eßbares zu sich zu nehmen. Danach schnappten wir unsere fast leeren Rucksäcke samt Fotoausrüstung und trotteten weiter Richtung Gipfel. Flanellhorn, Güferhorn und Rheinwaldhorn auf der Südostseite - Piz Terri, Piz Vial und der Oberalpstock auf der Westseite, zeigten

sich in ihrem schönsten Licht, und wir konnte hier sehr ansehliche Aufnahmen in Farbe und schwarz/weiß machen. Wir beide, Johannes und ich, wir waren schon einmal hier heroben, jedoch für Andi war es das erste Mal überhaupt das er auf einem Dreitausender stand. Zufriedenheit machte sich bei uns dreien breit!


Auf dem Weg
hier herauf entdeckten wir viele interessante Stellen um nach Kristallen zu graben, doch das sollte ja morgen folgen. Die Zeit vergaßen wir völlig und so mahnten lange Schatten zum baldigen Abstieg bis zu unseren Zelten die in einer traumhaften unverbaubaren Lages standen. Glücklich und leicht verausgabt fingen wir an unser Abendessen zu köcheln. Eine Gulaschsuppe mit Brot zauberte uns nach den großen Anstrengungen wieder ein Lächeln ins Gesicht und danach spendierte unser neuer dreitausender Aspirant Andi einen guten Schnaps als Absacker. Wir unterhielten uns angeregt und schmiedeten den Plan für den nächsten Morgen. Trotz blauem Himmel kam leichter Wind auf und lies uns etwas frösteln. Der Mond ging weit im Osten auf und spendete ein angenehmes Licht. Jetzt zog es uns in unsere warmen Schlafsäcke. Es raschelte in jedem Zelt mächtig bis es von Minute zu Minute immer ruhiger wurde, nun war es nur noch der Wind der mal hier und mal dort am meiner Behausung zerrte und für minimalste Geräusche sorgte.


Nachts wurde
ich wach da ich starke Geräusche vernahm. Ich lauschte konzentriert und musste feststellen, daß Johannes oder Andi nebenan schuld war, da einer von beiden etwas essen wollte. Mich zog es nun an die frische Luft hinaus, so wie jede Nacht die ich im Zelt verbringe. Die wunderbare Stille und die grandiose Bergwelt bei Nacht faszinieren mich schon seit langem, und ich habe dabei immer das Gefühl eines einzigartigen Erlebnisses. Der Mond war fast voll und gab sein dezentes Licht, dazu die vielen, vielen Sterne die alle wie ein großes Puzzel am Himmel standen. Jenes sanfte Licht ließ auch die Felsen zwischen kleinem und großem Frunthorn auf eindrückliche Weise erleuchten. Ruhe und ein ganz leichter Hauch von Wind umgaben mich.


Nun atmete ich ganz tief durch. "Das ist Lebenqualität" denke ich bei mir! Am kommenden Morgen bin ich der Letzte der sich aus dem warmen Schlafsack schält und nach draußen kommt. Meine beiden Strahlerkollegen kochen schon stark duftenden Kaffee und Johannes war eifrig dabei die morgentliche Stimmung in Format zu fassen. Ein warmer Kaffee ist jeden Morgen das erste angenehme Highlight und tut einfach gut. Wir wollen nun zuerst an die alten Stellen von 2006 schauen und von dort aus in Richtung Gipfelgrat weiter ziehen um letztlich in die Frunthorn Nordwand hinüber zu gelangen. Jene Quarzbänder von damals gaben alerdings kaum noch etwas her und so vielen nur einige kleinere Rauchquarzspitzen ab, an denen allerdings unser Andi eine mortz Gaudi hatte.

Jetzt war er übermotiviert und strahlte übers ganze Gesicht. Als wir am Grat zur Nordseite standen wurde die Lage neust besprochen und wir nahmen die oberste Zone unter die Lupe. Hoch konzentriert tasteten wir uns Stück um Stück voraus, ständig auf der Hut keinen Steinschlag auszulösen oder selbst mit den stark geneigten Platten einen Abgang zu machen. Alles hier oben ist ein loses extrem gefährliches Gelände, das jeden Moment in Bewegung geraten kann. Alsbald entdeckte ich die ersten Quarzbänder, die wir etwas bearbeiteten, jedoch ohne großen Erfolg. Etwas tiefer entdeckte ich kleine Rauchquarze und etwas Hämatit in Plättcheform. Johannes und Andi kamen zögerlich nach. Ich fühlte mich hier pudelwohl und "roch" schon die Kristalle. Schnell zog es mich tiefer und der Abstand zwischen Johannes und Andi wurde immer größer.

Als ich mich nach einer geeigneten Stelle zum warten umsah, entdeckte ich immer wieder neues, fing an zu graben, packte dann doch wieder meine Sachen um zur nächsten interessanten Stelle zu queren. Kurz bevor mich die beiden einholten machte ich dann doch noch meinen netten Fund. Eine schöne Handstufe mit dunklem Rauchquarz. Hier wollte wir noch etwas arbeiten, denn diese Stelle versprach mehr. Die Rucksäcke wurde sicher plaziert und kleinere Felsblöcke umsichtig zur Seite gelegt. Hier und da kamen kleinere Kristallspitzen zu Tage, dann wieder etwas grobe Quarzbrocken zwischen hellem Gneis. Nachdem wir mit der Zeit etwas tiefer waren kam auch schließlich das anstehende Quarzband zu Tage. Jetzt hofften wir natürlich auf eine Kluft. Allerdings mussten wir schnell einsehen das hier kein weiterkommen möglich ist, da große Gneisplatten alles versperrten. Dazu machte Johannes einige Bilder.

Etwas Müde,
aber zufrieden machten wir erstmal richtig Brotzeit. Danach teilten wir die kleinen Funde die uns die Natur hier bescherhte und stiegen wieder höher. Überall lose Platten und Felsen, dazu das steile Gelände und die Wärme des Tages machte die Tour sehr anstrengend. Das Wetter hielt bombig und präsentierte die Bergwelt schön und eindrücklich. Mittlerweile machte auch ich immer wieder Fotoaufnahmen um diesen genialen Tag festzuhalten. Gegen fünfzehn Uhr standen wir wieder oben am Grat, beobachteten noch zwei Strahler tief unter uns und stiegen nach langer Rundumsicht Richtung Zelte ab. Zwei Stellen auf der Südostseite bearbeiteten wir noch und konnten wiederum kleine lichte Rauchquarze und einige Bergkristalle mitnehmen. Jedoch nichts was von bedeutender Größe oder Qualität war.

In unmitelbarer Nähe der Zelte tummelten sich jetzt Schafe. Diese etwas naiven Zeitgenossen haben natürlich nur fressen im Kopf, und so zieht es sie in unserer Abwesenheit gerne an unser Lager heran. Unsere Lebensmittel verpackten wir jedoch heute morgen sorgsam in Tüten und verstauten anschließend alles in den Zelten. Mit unseren Abfällen verfuhren wir ebenso, und somit zogen alle Vierbeiner schnell und ohne etwas zu ergattern von dannen.

Beim Aufstieg
heute früh deponierte ich einige Meter oberhalb des Lagerplatzes einen Stein der mir durch seine orange Farbe am Rande aufgefallen war. Diesen schnappte ich mir noch schnell, trug ihn mit zum Lager und verkleinerte ihn dort. Tage später und unter ordentlicher Reinigung entpupte sich das Ganze als wunderschöne Monazite von kräftiger Farbintensität. Unsere drei Rucksäcke legten wir jetzt behutsam ab und waren froh nun hier angekommen zu sein. Wir hatten jetzt ein Bärenhunger und machten uns ein köstliches Abendessen, daß mit einer Runde Valser Bergkäse und einem ordentlichen Schluck Schnaps abgerundet wurde. Währendessen scherzten und lachten wir viel. Nachdem wir uns guten und interessanten Gespräche hingegeben hatte wurden wir sehr müde und verkrochen uns gegen einundzwanzig Uhr in unsere Schlafsäcke. In der kommenden Nacht frohr unser Andi so stark das er keinen Schlaf mehr finden konnte, Stunde um Stunde wälzte er sich hin und her, kühlte immer mehr aus und entschloss sich ins Freie zu gehen um Sport zu betreiben, was ihn zu aktiver Wärme führen sollte.

Auch ich wurde wach, musste kurz austreten und genoss abermals einige Minuten die nächtliche Bergwelt, bevor mich die Kälte wieder ins Innere meines Zelte drängte. Am nächsten Morgen erzählte mir Andi von seiner langen und bitterkalten Nacht, dem sportlichen Treiben in Form von bergauf- und bergablaufen und dem faszinierenden Anblick der Berge bei Nacht - was ihm sehr gefiel. Ein total neues aber reizendes Nachttreiben, wie er meinte. Die Sonne stand am Morgen so, daß wir die ersten wärmenden Strahlen beim Frühstück erhaschen konnten. Das tat gut! Andi war fix und fertig, aber das ist kein Wunder nach unserem anstregenden gestrigen Tag und dem wenigen Schlaf. Wir berieten uns neu, wägten die Wetterlage ab und waren alle der gleichen Meinung heute gegen Mittag abzusteigen. Eigentlich wollten wir ja noch diesen Tag zum Strahlen nutzen, aber da wir müde und träge waren, blieben wir beim Entschluss es gemütlich ausklingen zu lassen. Wir streiften noch etwas durch die umliegende Gegend um Fotos zu machen, packten anschließend sorgsam unsere Rucksäcke und verließen gegen Mittag den Berg so wie wir ihn vorgefunden hatte. Nein, so ganz stimmt das nun auch nicht. Da uns alter zurückgelassener Müll negativ aufgefallen ist, packten wir diese rostigen Blechdosen und Plastikartikel noch zusätzlich ein. Schade das es heute noch Naturliebhaber gibt die es nicht schaffen leere kaum wiegende Gegenstände wieder zu Tale zu bringen, die sie allerdings voll hochbringen konnten. Jedem sollte bewusst sein: Die Natur benötigt uns nicht - wir aber die Natur !

Mit positiven Gedanken
stiegen wir langsam talwärts, wo wir das Auto gegen Ende des Nachmittags erreichten. Wir waren sehr zufrieden mit unserem gemeinsamen Bergabenteuer. Es hat uns viele schöne Eindrücke vermittelt. Wir konnten wunderbare Mineralien finden und viele gute Fotoaufnahmen machen. Wir schauten nochmals hinauf und beschlossen schon hier vor Ort wieder zu kommen, um an diese Tage anzuknüpfen. Auf der Heimfahrt diskutierten wir noch über die Rauchquarze und die heißbegerten rosa Fluorite von dort oben, und wie wir vielleicht auch einmal einen so klasse Funde machen könnten. Zwischendurch genehmigten wir uns einen leckeren Espresso und erreichten nach einigen Stunden wohlbehalten unser Zuhause.

Frunthorn wir kommen wieder !!!

 
 
 
 

Verfasst von: Robert Linhart |  Juni 2010 | Foto: Robert Linhart / Johannes Mayr

 
 
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