Cavradi [2007] - krystallos

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Cavradi [2007]

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Ein Glücksmoment in Cavradi

Tour: August 2007

Es war ein tatelloser Augusttag
im Sommer 2007, als ich ausgelaugt und müde zum Strahlen an den Vorderrhein bei Sedrun ging. Ich wollte diesen Tag ganz gemütlich gestalten und auf andere Gedanken kommen, deshalb war mir auch ein langer Anstieg zu wider. Als ich alleine das Ufer des rauschenden Rheins mal hier und mal dort absuchte, fand ich irgendwie keine passende Stelle die mir zusagte, und wo ich ernstlich Kristalle vermutete. Also setzte ich mich an ein sonniges Fleckchen und kam allmählich ins Träumen. Meine Gedanken blieben letztlich in der wilden Cavradischlucht hängen. Dann, es muß so gegen halb Zwölf gewesen sein, packte ich und entschloss mich nach Cavradi zu gehen; ich dachte warum nicht, rumhängen könnte ich auch dort, allerdings die Natur wäre dort wilder und faszinierender. Zudem wollte ich einfach nach einer Stelle sehen, die ich schon lange Zeit im Auge hatte. Also trotete ich vom Parkplatz zuhinterst hinüber auf die andere Rheinseite und stieg gemächlcih die Schlucht hinauf. Der tosende Bach spülte meine bedrückenden Gedanken weg und ich kam spürbar zur Ruhe. Immer wieder blieb ich staunend an der ein oder anderen Blume stehen, bestaunte dessen Schönheit und wunderte mich über die Kräfte der Pflanzen die den härtesten Wetterbedingungen trotzten - Sommer wie Winter.


Ohne spürbar
die Zeit wahr zu nehmen, stand ich plötzlich in der sogenanten "Hämatitzone". Schnell erreichte ich meine gewünschte Stelle, stieg hinauf und stellte zu meiner Überraschung fest, daß die drohende Gneisplatte die das weiterkommen verhinderte, samt Schutt zu Tal gestürtzt war. Meine Aufregung nahm sichtlich und spürbar zu, denn binnen Augenblicken hatte ich einige Quarzbruchstücke entdeckt, und unzählige kleine Hämatitkrümel aufgelesen. Jetzt Ruhe bewahren ! Ich legte den Rucksack bei Seite, packte mein Werkzeug aus und fing an mit dem restlichen beseitigen des Schuttes. Mühelos legte ich den schwer erkennbaren Satz frei auf dem ich eine Kluft vermutete. Der Fels war hart und gesund. Das Erdmaterial war beiseite geschafft, daß feine Werkzeug musste her und ich arbeitete mich vorsichtig voran. Ein kleiner aber klarer Spitz kam hervor, dann noch einer, und nun übernahmen meine Hände die weitere Arbeit. Behutsam ertastete ich eine glatte Fläche die sich scheinbar leicht bewegte. Mit dem Strahlerhäcken legte ich den Bergkristall umsichtig frei und konnte ihn somit ganz leicht herausheben. Ein wunderbarer Moment !!!

Einen klaren,
etwa zehn Zentimeter großen Bergkristall durfte ich leicht aufgeregt in meinen Händen halten - ein Augenblick den ein Strahler nie vergisst. Die ganze Schönheit der Natur spiegelte sich in jenem Kristall wieder. Behutsam legte ich meinen Fund zur Seite. Mit Fäustel und Meisel erweiterte ich die Kluftöffnung, sodaß ich Stück um Stück aus dem Hohlraum bergen konnte. Alles um mich herum wurde ausgeblendet - nur ich und die Kluft - das war das Eigentliche in jenem Moment. Ich wurde zum Bewußten - Sein. Das Leben nahm ich nur im allerengsten Raum war - dies aber in einer Intensität wie man sie seltens erleben darf.


Nun war ich hellwach und mich durchstömte ein inniges Gefühl tiefer Zufriedenheit. Ich glaube nur ein fanatischer Steinnarr kann diesen Moment im absoluten Sinne verstehen und erfassen was ich damit zum Ausdruck bringen möchte. Der Hunger den mein Magen signalisierte wurde verdrängt. Gerade einmal für ein Foto hatte ich Zeit, und auch das wurde nur unscharf. Nachdem ich säuberlich alles ausgeräumt hatte, vergewisserte ich mich, ob auch wirklich die Quarzkluft ein Ende hatte. Neben mir lagen nun wunderbare Bergkristelle, kleine klare Spitzen, und auch zwei größere Kristalle von ebenfalls guter Qualität. Zudem war etwas von dem legendären oft ersehnten Hämmatit vorhanden. Nicht besonders groß, aber immerhin war er da. Mein Gefühl sagte mir das es an der Zeit wäre den Tag zu beschließen. Ich packte sorgsam meine Funde in Zeitungspapier ein, verstaute sie umsichtig in meinem Rucksack und hinterlegte mein Werkzeug in der ausgebeuteten Kluft als Zeichen das hier noch weiter gearbeitet wird. Die Schlucht wirkte zu dieser Tageszeit friedlich und beruhigend, so daß ich mich nun hinsetzte und doch noch etwas Zeit zum Brotzeiten fand. Weiße Wolken schwebten am azurblauen Himml dahin und vermittelten das Gefühl von Geborgenheit obwohl inmitten einer wilden und nicht ungefährlichen Schlucht im Herzen der schweizer Alpen. Allmählich schulterte ich den Rucksack und stieg langsam bergab, als ich gegen 19.30 Uhr leicht verausgabt das Auto erreichte. Stunden später als ich zu Bett ging und meine Augen schloss, waren sie wieder da, dieglücklichen Momente des Tages, die schönen klaren Kristallspitzen und das leichte aber angenehme brennen der Haut, das die Sonne verursacht hatte. Solche Tage sind des Strahlers Glück, und ich bin unserem Schöpfer zutiefst Dankbar, für das Leben an sich und jene Abenteuer die das Leben etwas lebenswerter machen.

 
 

Verfasst: Robert Linhart |  Juni 2010 | Foto: Robert Linhart

 
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